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Neue Radaranlage für den Flughafen (Ralph Baden, Dipl. Baubiologe, Luxemburg)
Im Schatten der Mobilfunkdiskussion laufen zur Zeit in Luxemburg die Genehmigungsverfahren für eine neue Radaranlage für den Flughafen Findel. Dabei handelt es sich um einen Präzisionsanflugradar der den Flugzeugen eine zusätzliche Landeanflughilfe gewährleisten soll.
Ungeachtet der Öffentlichkeit wurde das Kommodo-Inkommodo-Verfahren mittlerweile abgewickelt. Dabei handelt es sich bei Radar um gepulste hochfrequente Strahlungsquellen die dem Mobilfunk nicht unähnlich sind.
Anlässlich der 3. EMV-Tagung über elektromagnetische Verträglichkeit des Berufsverbandes Deutscher Baubiologen in Würzburg informierten sich die AKUT-Mitglieder über den aktuellen Wissensstand betreffend Radaremissionen.
Was ist ein Radar?
RADAR (Abkürzung für Radio Detection and Ranging) ist eine Technik, die mittels hochfrequenter Strahlen Objekte orten beziehungsweise lenken kann. Dabei werden Strahlen vom eigentlichen Radar in alle Richtungen gesendet. Diese treffen auf ein bestimmtes Objekt und werden zurückgesendet (wie ein Echo) an die Radaranlage, die so Informationen über Position, Richtung oder Geschwindigkeit ermittelt.
Typische Anwendungen sind Flugzeugradare, Schiffsradare, Militärradare aber auch Wetterradare, kartografische Radare (Vermessung der Erde), Geschwindigkeitsradare der Polizei und andere.
Wie funktioniert ein Radar?
Radare geben dauerhaft gepulste hochfrequente elektromagnetische Impulse ab. Dabei drehen sie sich in der Regel um die eigene Achse mit einer Geschwindigkeit von 4 bis 10 Sekunden pro Umdrehung. Radare senden in einer bestimmten Frequenz. So sendet ein Flughafenradar beispielsweise im Bereich von 2800 MegaHertz, ein Schiffsradar im Bereich von 9400 MHz (zum Vergleich Mobilfunk 900 und 1800 MHz, DECT-Schnurlostelefone 1900 MHz, UMTS 2400 MHz). Somit sendet insbesondere ein Flughafenradar auf einer gegenüber GSM oder UMTS nur unwesentlich erhöhten Frequenz. Die Reichweite der Flughafenradare beträgt dabei 400 bis 500 Kilometer.
Gesundheitliche Auswirkungen
Insgesamt existieren nur wenige Studien, die gesundheitliche Risiken von Radarintensitäten untersucht haben. Dazu gehören eine ·polnische Studie an Militärpersonal vom Zentrum für Strahlenbiologie und Strahlensicherheit Warschau (Zeitraum 15 Jahre; 127800 Soldaten; Verdoppelung der Krebsfälle gegenüber nicht exponierten Soldaten, Versechsfachung des Risikos für Lymphome und Leukämien), ·amerikanische Studie des Armstrong-Foschungslabors der Brooks Air Force Basis in Texas (Untersuchung von 230 Gehirntumoren bei den Angestellten; Zunahme des Risikos eines Hirntumors durch hochfrequente Strahlung um 39 %), ·deutsche Studie (signifikative Häufung von Hirntumorfällen in einem Umkreis von 3 km zu einer Radaranlage der Bundeswehr in Vollersode), ·deutsche Literaturstudie (Institut für Pathologische Physiologie der Humboldt-Universität Berlin-Charité) über die Forschungsergebnisse der ehemaligen Sowjetunion und den GUS-Nachfolgestaaten der Jahre 1960 bis 1992.
Richtwerte
Grenz- oder Richtwerte für Radarstrahlungen an Daueraufenthaltsplätzen sind bisher offiziell nicht definiert worden. Das Ecolog-Institut in Hannover gab im Januar 2004 Vorsorgewerte heraus, die sich am Anlagengrenzwert für Radaranlagen in der Schweiz orientieren. Auch der Referent, ein auf Radarmessungen spezialisierter Baubiologe ermittelte aufgrund seiner langjährigen Messungen und Erfahrungen Orientierungswerte die sich in etwa mit den Ecolog-Vorsorgewerten überschneiden.
Beispiele von Radarmessungen
Der Referent Wolfgang Kessel präsentierte anschließend die Ergebnisse von mehr als 100 Radarmessungen quer durch Deutschland. Dabei wurden Messungen in Wohnungen und im Freien in Entfernungen von 130 Meter bis hin zu 45 Kilometern von Radaranlagen durchgeführt. Verglichen mit den Ecolog-Vorsorgewerten müssen immerhin 25 Prozent der Ergebnisse als hohe Exposition bewertet werden. Erwartungsmäß lagen die Messwerte im Freien signifikativ höher als innerhalb der Wohnungen, aber auch innerhalb der Wohnungen waren immerhin noch 7 Prozent der Messwerte als “hohe Exposition” einzustufen. Solche Werte wurden in Wohnungen teilweise bis auf eine Entfernung von 7 Kilometern zur Radaranlage gemessen.
Im Vergleich zu Mobilfunksendern, werden bei Radaranlagen vergleichbare Messwerte in Entfernungen nachgewiesen, die hundertmal weiter sind als bei GSM-Antennen.So wurden beispielsweise in 7 km Entfernung zum Flughafen Stuttgart Werte im Bereich einer “hohen Exposition” gemessen (4.785.000 µW/m²). Auch in 3,3 km Entfernung zum Flughafen Hamburg wurden 1.862.000 µW/m² (“hohe Exposition”) nachgewiesen.
Schlussfolgerung
Generell sind Radarsender meistens völlig überdimensioniert. Durch eine Veränderung des Anstellwinkels könnten problemlos erhebliche Minimierungen der Strahlenbelastung der Anwohner erreicht werden, ohne dabei die Effizienz der Radaranlage zu beeinträchtigen. Beispielsweise würde eine Anpassung des vertikalen Öffnungswinkels um 1-2° nach oben die Strahlungsintensität am Boden verringern, ohne den Luftverkehr zu stören, da der Radar prinzipiell ja den Luftraum anpeilt.. Dementsprechend wäre es absolut wünschenswert, den neu geplanten Radar des Flughafens Findel unter dem Aspekt einer eventuell möglichen Risikominimierung zu begutachten.
Ralph Baden Dipl.Biol., Baubiologe Akut asbl – www.akut.lu
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